Ausdrucksstark sind die Skulpturen von Johannes Zoller. Stark abstrahiert deutet er die Figur nur noch in der Konzentration auf die wesentlichen Körperlinien an, gibt wie beim "Schwangeren Paar" der inneren Haltung ausdrucksstarke Form. Helle Maserungen des Materials und glatte Rundungen verströmen zusätzliche sinnliche Reize.
Frankfurter Rundschau
Geschwungene Linien und eine gehörige Portion Humor zeichnen die raffinierten Szenen des gebürtigen Tübingers aus. Auf zahlreichen Einzelausstellungen in Frankreich, Japan, Neuseeland und Deutschland konnte Zoller eine wachsende Sammlerschar für seine Werke begeistern. Jede seiner Bronzeskulpturen wird im Sandgussverfahren gegossen, versäubert, patiniert, poliert und gewachst.
ars mundi, Die Welt der Kunst
...la sculpture Oreille de la terre est "l'organisme en terme de mouvement, de transformation en perpétuel équilibre en rapport avec les mouvements extérieurs de l'univers, sans jamais séparer l'organisme du psychisme".(Nguyen Van Nghi). L'artiste nous séduit par sa recherche d'un équilibre dynamique et harmonieux de l'Homme pris dans sa totalité et faisant partie intégrante du macrocosme.
Dr. Inès Jeudy-Hirsinger
Um was geht es? Es geht um die Form hinter der Form, um die Darstellung jener Kräfte und Formen, die in ihrer Wirkung das Visuelle erst hervorbringen. Der Künstler selbst nennt dies "organische Abstraktion". Abstraktion deshalb, weil ein in Verbindung mit der physisch wahrnehmbaren Seinsebene stehender - jedoch nicht ohne weiteres gleich sichtbarer Vorgang dargestellt wird. Nach Friedrich Schiller "ist Vollkommenheit in der Natur keine Eigenschaft der Materie, sondern der Götter". Um solche Zusammenhänge geht es bei Zollers Abstraktion. Es geht um eine hinter der Materie liegende Seinsebene. Mit dem Adjektiv "organisch" wird die Abstraktion gegenständlich bzw. naturverwandt beschrieben und zur Darstellung gebracht. Welches der Exponate ist vielleicht vom Himmel, vom Feuer oder aber mehr vom Wasser inspiriert? Das Prinzip der organischen Abstraktion zeigt sich bei Zoller sowohl in seinen Skulpturen als auch bei seinen Bildern.
Dr. Stephan Seltenreich
Zoller will mit seiner Kunst nicht primär Figürliches oder die Farben an sich oder den Prozess der malerischen Arbeit ins Zentrum der Bedeutung stellen, sondern er verbindet mit den entfalteten Farbklängen eine Form der Kunst, die Empfindungen und geistige Wahrnehmungen bewusst in den künstlerischen Prozess einbezieht. Indem eine solche Sicht auf den Kreis der Farben eingenommen wird, erscheint das objektive Element Farbe nicht von den Dingen entfernt, sondern zeigt die Anstrengungen, in den Dingen das Wesen zu entdecken. Somit verbinden sich objektive Wissenschaftlichkeit und metaphysisches Denken.
Jürgen Thom, Laudator
<Ars concordia>
Die Arbeiten von Johannes Zoller sind von Transparenz begleitet, wie reifes Obst, das seinen Kern zeigt. Wir haben hier weniger mit einer künstlerischen Seele zu tun, die uns an den eigenen Höhen und Tiefen Anteil haben lässt, sondern vielmehr mit einer schöpferischen Individualität, die alles um sich und in sich beleuchtet. Eine solche Ästhetik der Offenheit beruht auf viel Disziplin und kann erst dann ein Werk begründen, wenn die Brücke zur Moral, zur Ethik und aktiven Religiosität auch offen bleibt. Wenige Künstler dürfen sich in der dünnen, frischen Luft dieser Höhen so natürlich bewegen.
Seine Malerei überrascht durch eine erhöhte Farbdynamik, die aber als letzte Wirkung Ruhe, Kraft und Frische ausstrahlt. Es ist hier ein Meisterzeichen am Werk: die Kraft des Zusammenführens der Gegensätze, <discordia concors>, als höchste Metapher. Spielerisch gesagt, haben wir es hier mit der Landschaft seines Landes zu tun, einer Landschaft, die ernährt und erheitert, aber auch bewusst träumen lässt. Ich glaube, dass er hier neue Wege eröffnet, und das wir über seine Malerei noch zu sprechen haben werden.
Mihai Tropa, Schriftsteller und Kunstkritiker
Grenzerfahrung: Beim Werden dem Sein Nachspüren
Johannes Zoller spürt beim Werden dem Sein nach. Und damit meint er nicht nur seine Kunst. Grund genug für den Kreiskunstverein, den erst seit einigen Monaten in Gütersloh ansässigen Bildhauer und Maler jetzt im Studio des Veerhoffhauses vorzustellen. Was er im Studio zeigt, sind Formen mit organischem Charakter, ohne das sie naturalistisch wirken. Er lässt sich führen von seinen Gedanken und seinem Verlangen nach der "reinen", vollendeten Form. Kein vom Intellekt gesteuertes Tun, kein Wirken, das durch eine begriffliche Einsortierung oder eine Vorstellung bereits in ihrem endgültigen Sein festgelegt wäre. Es geht um ureigenste Ich - Erfahrungen, um das psychische Zerstören von Bildern im Kopf als Beginn eines wirklichen, absolut freien Schaffenprozesses. Auch Zoller will "zum Wesentlichen" vordringen, " denn das ist letztlich bei allen Völkern gleich, auch wenn sie es unterschiedlich formulieren oder darstellen." Die Suche nach der Universalität des einen Gesetzes. Der Künstler nennt es "formende Dehnung des Sehnens"- andere " Gott ".
Die Glocke
...Den Vergleich mit Hans Arp hört Johannes Zoller, der an dessen Geburtsort Straßburg wirkte, gern. Dagegen kann er mit Vergleichen zu Henri Moore wenig anfangen, da dessen Werk viel stärker dem Boden anhaftet und von der Auseinandersetzung mit Frauenbildern durchwoben ist. Aber liegt es nicht nahe, einen Blick auf diese beiden großen Bildhauer zu bemühen, deren abstrakte Plastiken und Skulpturen Meilensteine in der Kunstgeschichte des 20 Jahrhunderts gesetzt haben, auch, weil Zoller sich ihrer Tradition verpflichtet sieht?...Polarität, Paarigkeit und die Vereinigung von Gegensätzen nehmen in den jüngsten Werken, deren Formensprache sich durch schlanke, aufstrebende Linien von Arbeiten aus 2003 bis 2005 abhebt, an Bedeutung für Zoller zu. Und dadurch auch das Moment der Bewegung, des Kreislaufs, des Aufs und Abs zwischen Himmel und Erde, wie er es in der japanischen Weltanschauung kennen gelernt habe. Die Verschmelzung, ob nun scheinbar durch Öffnungen getrennt oder nicht, finde dennoch statt. Schattenwurf und konkave Aushöhlungen ziehen den Blick des Betrachters nun jedoch magisch an...
Dr. Regina Voith-Drobnitzky, Kunsthistorikerin
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© Johannes Zoller